Ratgeber · 6 Min. Lesezeit · Stand Oktober 2026
Handwerker-Angebot prüfen: die Checkliste
Ein Angebot über mehrere Tausend Euro liegt auf dem Tisch – aber ist es fair? Mit diesen Punkten prüfst du in wenigen Minuten, ob es vollständig ist, ob die Preise plausibel sind und ob im Kleingedruckten Fallen stecken.
Kostenvoranschlag oder Angebot?
Bevor du Preise vergleichst, lohnt ein Blick auf die Art des Dokuments – rechtlich ist das ein Unterschied.
Kostenvoranschlag
Eine unverbindliche Schätzung. Der Endpreis darf höher ausfallen, aber nicht wesentlich: Zeichnet sich eine wesentliche Überschreitung ab, muss der Betrieb dich unverzüglich informieren, und du kannst den Vertrag kündigen (§ 649 BGB). Als wesentlich gelten nach gängiger Rechtsprechung meist Überschreitungen ab etwa 15 bis 20 %. Ein Kostenvoranschlag ist im Zweifel kostenlos (§ 632 Abs. 3 BGB).
Angebot mit Festpreis
Ist ein Preis als verbindlich oder als Festpreis vereinbart, ist der Betrieb daran gebunden. Mehrkosten darf er dann nur für zusätzliche oder geänderte Leistungen verlangen – und die solltest du vorher schriftlich freigeben.
Checkliste: 10 Punkte vor der Unterschrift
- 01
Jede Leistung einzeln aufgeführt
Positionen mit Menge, Einheit und Einzelpreis statt großer Pauschalen ohne Erklärung. Nur so lassen sich Preise vergleichen.
- 02
Material und Arbeit getrennt
Getrennte Angaben machen Materialpreise vergleichbar – und sind für die Steuer wichtig: Bei Handwerkerleistungen im Haushalt kannst du einen Teil der Arbeits-, Fahrt- und Maschinenkosten absetzen, nicht aber das Material und nur bei Zahlung per Überweisung (§ 35a EStG).
- 03
Stundensatz und Stundenzahl genannt
Wird nach Aufwand abgerechnet, sollten Stundensatz und geschätzte Stunden im Angebot stehen. Vergleiche den Stundensatz mit den Richtwerten für deine Region.
- 04
Nebenkosten klar beziffert
Anfahrt, Kleinmaterial, Entsorgung, Gerüst oder Baustelleneinrichtung sind oft berechtigt – sie sollten aber konkret beziffert sein und nicht doppelt auftauchen.
- 05
Mehrwertsteuer ausgewiesen
Netto, 19 % Mehrwertsteuer und Brutto sollten klar erkennbar sein, damit du Angebote richtig vergleichst.
- 06
Termin und Dauer festgehalten
Ein Starttermin und die voraussichtliche Dauer helfen dir, wenn sich Arbeiten verzögern.
- 07
Faire Zahlungsbedingungen
Abschlagszahlungen sollten sich am erledigten Arbeitsfortschritt orientieren. Hohe Vorauszahlungen vor Arbeitsbeginn sind ein Warnsignal.
- 08
Kleingedrucktes gelesen
Achte besonders auf Regeln zu Mehrkosten, zur Auftragserteilung und zur Gewährleistung – die typischen Fallen findest du unten.
- 09
Vergleichsangebote eingeholt
Zwei bis drei Angebote mit gleicher Leistungsbeschreibung zeigen am schnellsten, ob ein Preis aus dem Rahmen fällt.
- 10
Bedenkzeit genommen
Lass dich nicht zur sofortigen Unterschrift drängen. Schließt du den Vertrag bei dir zu Hause ab, hast du in der Regel 14 Tage Widerrufsrecht – außer bei dringenden Reparaturen, zu denen du den Betrieb ausdrücklich gerufen hast (§ 312g BGB).
Typische Klausel-Fallen
Solche Formulierungen solltest du im Kleingedruckten erkennen. Nicht jede ist unzulässig, aber jede verdient eine Nachfrage, bevor du unterschreibst.
„Mehrkosten bis 20 % gelten als genehmigt.“
WarnungDamit gibst du Mehrkosten vorab frei, ohne zu wissen wofür. Besser: Mehrkosten nur nach schriftlicher Rückfrage.
„Mit Ihrer Unterschrift gilt der Auftrag als erteilt.“
WarnungAus dem Angebot wird sofort ein verbindlicher Vertrag. Unterschreibe erst, wenn du verglichen und alle Fragen geklärt hast.
„Die Gewährleistung beträgt 6 Monate.“
WarnungGesetzlich gelten bei Arbeiten an einem Bauwerk fünf Jahre, sonst meist zwei Jahre (§ 634a BGB). Eine Verkürzung auf wenige Monate ist in vorformulierten Verträgen gegenüber Verbrauchern in der Regel unwirksam.
„Zahlbar sofort bei Auftragserteilung ohne Abzug.“
AchtungZahlst du alles im Voraus, hast du kein Druckmittel mehr, falls Mängel auftreten oder Arbeiten liegen bleiben.
„Kleinmaterial wird pauschal mit 10 % berechnet.“
AchtungProzentuale Pauschalen wachsen mit dem Auftrag mit. Frag, was konkret enthalten ist.
Sind die Preise fair?
Ob ein Preis passt, hängt stark von der Region ab: Ein Stundensatz, der in München üblich ist, wäre auf dem Land hoch. Vergleiche deshalb mit Richtwerten für deine Region – die Preisübersicht zeigt Stundensätze und typische Positionen in vier Preiszonen:
- Elektriker
- Installateur
- Maler
- Bodenleger
- Fliesenleger
- Dachdecker
- Trockenbauer
- Schreiner
- Umzugsfirma
- Gartenbau
- Reinigung
- Fenster & Rollläden
- Photovoltaik
- Kammerjäger
Schneller geht's automatisch
Lass dein Angebot in unter einer Minute prüfen.
Foto oder PDF hochladen: Jede Position wird mit den Richtwerten deiner Region verglichen, riskante Klauseln werden markiert. Kostenlos und ohne Konto.
Angebot jetzt prüfenWann du dir Hilfe holen solltest
Bei großen Summen, unklaren Klauseln oder Streit über eine Rechnung lohnt sich unabhängiger Rat: Die Verbraucherzentralen beraten zu Verträgen und Angeboten, Sachverständige bewerten Bauleistungen vor Ort, und viele Handwerkskammern haben Schlichtungsstellen für Streitfälle mit ihren Mitgliedsbetrieben.
Wie der Preischeck Angebote bewertet und wo seine Grenzen liegen, steht unter Methodik & Quellen. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung.
Diese Einschätzung basiert auf geschätzten Richtwerten (keine verifizierten Marktdaten) und groben Preiszonen statt exakter PLZ-Daten (Methodik & Quellen). Sie ersetzt keine unabhängige Beratung, z.B. durch die Verbraucherzentrale oder einen Sachverständigen. Fotos/PDFs werden nur für die Analyse verwendet und nicht gespeichert (Details in der Datenschutzerklärung).